Reisemedizin

Sie planen eine Reise und möchten gesund bleiben?

Aufgrund meiner reisemedizinischen Erfahrung, kann ich Sie kompetent beraten, welche Vorkehrungen Sie treffen können und sollten, um sich vor gesundheitlichen Risiken zu schützen.

Im Falle eines beruflichen Aufenthaltes in den Tropen biete ich auch eine arbeitsmedizinische Untersuchung auf Tropentauglichkeit (G35) an.

Meine Empfehlungen werden auf Sie als einzelne/r Reisende/r zugeschnitten, abhängig vom Lebensalter, Gesundheitszustand, Ihren Vorerkrankungen, dem Motiv Ihrer Reise, Reiseroute und Dauer, Reiseerfahrung, den geplanten Aktivitäten und natürlich Ihrem individuellen Sicherheitsbedürfnis. Sie können den folgenden Anamnesebogen herunterladen und am besten zu Ihrem Termin ausgefüllt mitbringen.

Anamnesebogen downloaden (pdf)

Risiken durch Infektionskrankheiten bilden den Schwerpunkt der reisemedizinischen Beratung. Die geographische Verbreitung und das saisonale Auftreten bekannter Krankheiten sind durch Klimawandel und die explosionsartige Zunahme der globalen Reisetätigkeit in den letzten Jahren spürbar dynamischer geworden. Nicht nur deshalb ist die reisemedizinische Beratung komplex.

Gleichzeitig sind Daten über das Auftreten von Krankheiten in der lokalen Bevölkerung nicht selten unvollständig, unter- oder überschätzt und häufig auf Reisende nur begrenzt übertragbar. Das gleiche gilt für Überwachungsdaten von Krankheiten bei Reiserückkehrern.

Hinzu kommen das Neuauftreten bisher unbekannter oder Wiederauftreten regional bereits verschwunden geglaubter Erkrankungen, die Zunahme antimikrobieller Arzneimittelresistenzen, die Entwicklung neuer Impfstoffe und prophylaktischer Behandlungen, aber auch die Vernachlässigung der Forschung an neuen Arzneimitteln.

Neben Infektionskrankheiten können gesundheitliche Risiken auf Reisen von einer Vielzahl anderer Faktoren ausgehen: plötzliche und signifikante Veränderungen der Höhe, Luftfeuchtigkeit und Temperatur, Teilnahme am Straßenverkehr unter ungewohnten Bedingungen und veränderten Sicherheitsstandards, Qualität der Unterkünfte, Hygiene beim Umgang mit Lebensmitteln und sanitären Einrichtungen, Verfügbarkeit von Trinkwasser, Erreichbarkeit und Qualität medizinischer Versorgung, psychischer Stress oder zwischenmenschliche Gewalt.

Viele dieser Risiken lassen sich durch eine gute Vorbereitung minimieren. Hierzu gehört auch, sich bewußt zu machen, daß wir als Reisende nicht nur selbst gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sein können, sondern selbst schädigend auf die menschlichen Gemeinschaften und Ökosysteme unserer Reiseziele einwirken können, sei es durch die Verbreitung übertragbarer Krankheiten, aber auch als erhebliche Störfaktoren des ökologischen, ökonomischen und sozialen Gefüges.


Reiseimpfungen

Die medizinische Reisevorbereitung ist immer eine gute Gelegenheit die für Deutschland empfohlenen Standard- und Indikationsimpfungen zu überprüfen und gegebenenfalls aufzufrischen. Hierzu mehr im Kapitel Impfungen.

Bei den meisten Reiseimpfungen erfolgt die Empfehlung aufgrund einer individuellen Nutzen-Risiko-Bewertung. Einige wenige Impfungen sind aufgrund von Einreisevorschriften in manchen Ländern verpflichtend. 

Gelbfieber

Gelbfieber ist eine durch das Gelbfiebervirus verursachte und durch verschiedene Stechmücken übertragene tropische Infektionskrankheit.
Die meisten Infektionen mit dem Gelbfiebervirus verlaufen unbemerkt.
Nach einer Inkubationszeit von 3-6 Tagen können Symptome auftreten, die einer Grippe sehr ähnlich sind: hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Übelkeit und Erbrechen. Bei den meisten Erkrankten klingen diese Symptome binnen weniger Tage wieder ab und es kommt zur kompletten Heilung mit Ausbildung einer lebenslangen Immunität.
Bei rund 15% der Betroffenen kommt es jedoch nach 1-2 Tagen zu einem schweren „toxischen“ Krankheitsbild mit erneutem Fieber, „Gelbsucht“ als Ausdruck einer schweren Leberschädigung, spontanen Blutungen, Kreislaufschock und dem Versagen lebenswichtiger Organe. Eine spezifische Therapie gibt es nicht, ca. 20-50% dieser schweren Verlaufsform führen zum Tode.
Die Krankheit ist im tropischen Afrika sowie im tropischen Mittel- und Südamerika (südlich des Panamakanals) verbreitet.

Ein Ansteckungsrisiko für Reisende besteht sowohl in abgelegenen Urwaldregionen, wo das Virus innerhalb von Affenarten zirkuliert, als auch in Städten, wo es entweder „still“ innerhalb der immunisierten einheimischen menschlichen Population zirkulieren kann oder in Form von plötzlichen Ausbrüchen zu Tage tritt.

Bisher nicht von der Krankheit betroffene Länder sind bestrebt, sich vor der Einschleppung des Virus durch Reisende zu schützen, indem ein Impfnachweis durch international gültiges Gelbfieber Zertifikat beim Grenzübertritt (insbesondere aus Verbreitungsgebieten) oder bereits bei der Visumsbeantragung verlangt wird. 

Die WHO veröffentlicht jährlich eine aktualisierte Länderliste, in der die aktuellen Einreisebestimmungen veröffentlicht werden.

Gelbfieber
Impfung

Die Impfung erfolgt mit einem Lebendimpfstoff., der eine hohe Wirksamkeit hat. Der Impfschutz beginnt ca. 10 Tage nach der Impfung und hält mindestens 10 Jahre, bei den meisten Geimpften lebenslang.

Eine Wiederimpfung wird von den meisten Ländern nicht mehr verlangt und ist nur bei bestimmten medizinischen Indikationen zu erwägen.

Die Impfung gegen das Gelbfiebervirus darf nur von staatlich zugelassenen Gelbfieberimpfstellen durchgeführt werden. Eine Zulassung für meine Praxis ist beantragt und wird voraussichtlich noch in diesem Jahr zur Verfügung stehen.

Falls eine Gelbfieberimpfung bei Ihnen infrage kommen sollte, können Sie sich den Aufklärungsbogen bereits zu Hause durchlesen und bringen ihn am besten ausgedruckt zum persönlichen Beratungsgespräch mit.

Download: Gelbfieberimpfung Aufklärung

Poliomyelitis

Poliomyelitis („Kinderlähmung“) ist eine Erkrankung des Nervensystems, die durch akute, schlaffe Lähmungen einer oder mehrerer Gliedmaßen gekennzeichnet ist. Das Poliovirus ist leicht von Mensch zu Mensch durch Ausscheidung aus dem Darm übertragbar.
Man unterscheidet die sog. „Wildtypen“ des Virus von den Virustypen, die vom oralen Lebendimpfstamm ausgehen, welche gleichsam in der Lage sind, die Krankheit hervorzurufen.

Während Infektionen mit dem Wildtypus nur noch sporadisch in 2 Ländern auftreten (Pakistan und Afghanistan; Stand August 2020), kann das vom oralen Lebendimpfstoff abgeleitete Virus in der Bevölkerung zirkulieren und bei nicht ausreichenden Impfquoten (weniger als 85%) Ausbrüche hervorrufen, gegenwärtig vor allem in Ländern Afrikas südlich der Sahara und Südostasien. Bei Reisen in diese Länder, insbesondere bei längeren Aufenthalten sind ggf. spezielle Impfvorschriften bei der Ausreise zu beachten. Hierzu erteilt das Auswärtige Amt regelmässig aktualisierte Informationen:

https://www.auswaertiges-amt.de/blob/251024/b10f4cd016cbe046e4432aeb5957f5eb/polio-ausland-data.pdf

Poliomyelitis
Impfung

In Deutschland wird ausschließlich mit einem intramuskulär verabreichten inaktivierten Polioimpfstamm (i.d.R. als Kombinationsimpfstoff) geimpft. Nach vollständiger Grundimmunisierung und einmaliger Auffrischung im Alter von 9-16 Jahren, sollte zu Reisezwecken eine weitere einmalige Auffrischung erfolgen, wenn die letzte Impfung länger als 10 Jahre zurückliegt. Je nach Reiseziel können weitere Impfvorschriften gelten (siehe oben).

Hepatitis A

Diese Krankheit wird durch das Hepatitis A Virus hervorgerufen, welches weltweit verbreitet ist. Da es stets vom Menschen über den Darm ausgeschieden und durch direkten oder indirekten Kontakt (kontaminiertes Trink- oder Badewasser, Lebensmittel, etc.) übertragen wird, ist das Vorkommen in Ländern mit geringen Hygienestandards häufiger.

In der Frühphase kann es zu unspezifischen Symptomen wie Durchfall, leichtem Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl kommen. Kinder sind häufig trotz lange anhaltender Infektiosität asymptomatisch. Nach einer Inkubationszeit von 2-7 Wochen kann sich eine über Tage bis zu mehrere Wochen (selten: Monate) anhaltende Phase der Leberentzündung anschließen, die sich durch eine Gelbverfärbung der Haut und Bindehaut („Gelbsucht“), starke Abgeschlagenheit und Hautjucken äußert.

Eine spezifische Therapie existiert nicht, die Krankheit heilt aber in aller Regel komplikationslos aus und hinterlässt eine lebenslange Immunität. Deshalb ist bei Menschen die vor 1950 in Deutschland geboren sind, oder in Ländern aufgewachsen sind, in denen das Virus bis heute übertragen wird, meist bereits eine Immunität vorhanden.

Hepatitis A
Impfung

Die Hepatitis A Impfung ist für alle Menschen dringend zu empfehlen, die in Länder reisen, in denen mit einem geringen Hygienestandard zu rechnen ist. Weitere medizinische Indikationen sind im Einzelfall zu klären.

Der komplette Impfzyklus umfasst 2 Impfungen im Abstand von 6-18 Monaten, allerdings besteht bereits 14 Tage nach der 1. Impfdosis ein Impfschutz über mehrere Jahre. Nach der 2. Impfdosis besteht nach heutiger Kenntnis ein Impfschutz von mind. 25 Jahren, vermutlich sogar lebenslang. Es sind Kombinationsimpfstoffe erhältlich, die zusätzlich den Impfstoff gegen Hepatitis B oder Typhus enthalten.

Hepatitis B

Die Krankheit wird durch das Hepatitis B Virus hervorgerufen, welches sich in hoher Konzentration im Blut und in geringerem Maße in anderen Körperflüssigkeiten nachweisen lässt. Die Übertragung erfolgt entsprechend durch direkten Blutkontakt oder sexuell.
In der frühen Krankheitsphase zeigen sich unspezifische Symptome wie Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, u.a.

Nach 3-10 Tagen kann es ähnlich wie bei der Hepatitis A zu einer akuten Leberentzündung, mit Gelbverfärbung der Haut, der Bindehaut und allgemeinem Krankheitsgefühl kommen. Nach 2 bis 4 Wochen klingen die Symptome langsam wieder ab und die Erkrankung heilt bei Erwachsenen in 90% der Fälle komplett aus und führt zu einer lebenslangen Immunität. In ca. 10% der Fälle kommt es zu einer chronischen Infektion, die sich im weiteren Verlauf zu einer Leberzirrhose (2-10%) und darüber hinaus zu einem Leberzellkarzinom (2-7% bei Vorliegen einer Zirrhose) weiterentwickeln kann. Eine Therapie bei chronischer Hepatitis B ist zwar möglich, aber die Heilungsrate ist gering (bis ca. 30%) und die Behandlung langwierig und nebenwirkungsreich.
Die Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionserkrankungen weltweit, nach Angaben der WHO haben 2 Milliarden der aktuell lebenden Menschen die Infektion mit dem Hepatitis B Virus durchgemacht oder durchlaufen sie aktuell. Die meisten Infizierten finden sich in Afrika südlich der Sahara, Ostasien, auf dem indischen Subkontinent, im Mittleren Osten, im Amazonasgebiet und Teilen Zentral- und Osteuropas.

Eine Reiseimpfung sollte vor jedem Langzeitaufenthalt erwogen werden, vor kürzeren Reisen sollte eine großzügige individuelle Gefährdungsbeurteilung den Ausschlag geben.

Hepatitis B
Impfung

Bei ungeimpften Erwachsenen umfasst der gesamte Impfzyklus 3 intramuskuläre Impfungen im Mindestabstand von 1 und 6 Monaten. Der Impfschutz setzt bereits einige Tage nach der 2. Impfdosis ein, so daß der Impfzyklus in der Regel nach der Reise vollendet werden kann. Es gibt Kombinationsimpfstoffe mit dem Hepatitis A Impfstoff und Kurzschemata bei Last-Minute-Reisenden.
Nach abgeschlossener Impfung hält der Impfschutz mind. 10 Jahre, bei medizinischer Indikation ist eine Titerbestimmung angeraten.

Typhus abdominalis

Diese Krankheit wird durch Bakterien der Familie Salmonella enterica (typhi und paratyphi) hervorgerufen. 

Weltweit werden ca. 11-21 Millionen Krankheitsfälle von Typhus abdominalis registriert, Erkrankungen bei Reiserückkehrern kommen überhäufig bei Rückkehren aus Süd- und Zentralasien vor. 

Die Übertragung erfolgt meist durch Trinkwasser und Lebensmittel, die mit menschlichen Ausscheidungen kontaminiert sind, insofern spielen die hygienischen Standards bei der Verbreitung eine entscheidende Rolle.

Nach einer Inkubationszeit von 1-6 Wochen kann es zu hohem Fieber mit deutlichem Krankheitsgefühl, das häufig bis zu 3 Wochen anhält, kommen. Unbehandelt sind Komplikationen wie Darmblutungen und -perforationen, Entzündungen der Gallenblase, der Knochen, des Herzens oder der Hirnhaut, so wie Blutgerinnsel möglich und Betroffene können als „Dauerausscheider“ zu einer anhaltenden Infektionsquelle werden.

Die Behandlung erfolgt durch eine mehrwöchige Antibiotikatherapie, alarmierend ist jedoch die Tatsache, daß sich in Südasien Erregerstämme mit extensiver Antibiotikaresistenz entwickelt haben.

Typhus abdominalis
Impfung

Als Impfungen stehen ein intramuskulär zu verabreichender Totimpfstoff als Einzeldosis (Kombinationsimpfstoff mit Hepatitis A möglich) und eine orale Impfung mit einem apathogenen Lebendimpfstoff (einzunehmen an den Tagen 0, 3 und 5) zur Verfügung. In beiden Fällen ist die Wirksamkeit mäßig (50-70%) und hält ca. 2-3 Jahre an.

Meningokokken

Infektionen durch Meningokokken (Neisseria meningitidis) können zu schweren, lebensbedrohlichen Erkrankungen insbesondere Meningitis (Hirnhautentzündung) und Sepsis („Blutvergiftung“) führen. Schätzungen gehen von 1,2 Mio. schweren Erkrankungen und 335 000 Todesfällen aus.

Meningokokken sind weltweit verbreitete Bakterien. Aufgrund ihrer variablen Oberflächenstruktur existieren 13 verschiedene Serogruppen, die regional unterschiedlich häufig vorkommen. Welche Serogruppen zirkulieren, kann sich geographisch und zeitlich rasch ändern. Kinder werden in Deutschland nach den Empfehlungen der STIKO früh im 2. Lebensjahr gegen Erreger der Serogruppe C geimpft. Da die meisten menschlichen Infektionen weltweit auf die Serogruppen A, B, C, W und Y zurückzuführen sind, wird bei Auslandreisen eine Komplettierung des Impfschutzes empfohlen.

Da das Risiko für Reisende, an einer Meningokokkeninfektion zu erkranken, insgesamt gering ist, erfolgt im Rahmen der reisemedizinischen Beratung immer eine individuelle Risikoabwägung im Bezug auf persönliche gesundheitliche Risiken, Region und Jahreszeit, Reiseumstände, geplante Aktivitäten und Reisedauer. Als Risikogebiet gilt der erweiterte sog. „Meningitisgürtel“ in Afrika südlich der Sahara (v.a. während der Trockenzeit). Vorgeschrieben ist die Impfung für alle Pilger nach Saudi-Arabien.

Meningokokken
Impfung

Zur Verfügung stehen so genannte konjugierte tetravalente Impfstoffe für die Serogruppen A,C,W,Y und monovalente Impfstoffe für die Serogruppe B zur intramuskulären Injektion. Der Impfschutz nach einer Impfdosis ist zuverlässig, beginnt innerhalb eines Monats und hält mindestens 1 Jahr, wahrscheinlich ≥ 5 Jahre (ungenügende Datenlage). Nach wiederholter Impfung ist ein langer Schutz zu erwarten.

Tollwut (Rabies)

Tollwut ist eine stets zum Tode führende Viruserkrankung des Nervensystems. Da keine Therapie existiert, muß bei einer Biss- oder Kratzwunde eines vermeintlich infizierten Tieres umgehend eine post-expositionelle Behandlung mit Anti-Rabies-Immunglobulin und eine Immunisierung mit dem Rabies Totimpftstoff durchgeführt werden. 

Deutschland und die übrigen westeuropäischen Länder sind frei von terrestrischer Tollwut (durch am Boden lebende Säugetiere), allerdings besteht weltweit das Risiko einer Infektion durch Kontakt mit Fledermäusen (Fledermaustollwut).
Da die terrestrische Tollwut in den meisten tropischen Ländern endemisch, aber eine post-expositionelle Behandlung nicht immer verfügbar ist, empfiehlt sich je nach Reiseziel, Reisedauer und Reiseart eine prä-expositionelle Impfung.

Tollwut (Rabies)
Impfung

Es stehen 2 Totimpfstoffe auf Basis inaktivierter Tollwutviren zur Verfügung. Die Hersteller und die STIKO empfehlen 3 Impfdosen an den Tagen 0, 7 und 21–28. Davon abweichend empfiehlt die WHO seit 2018 ein 2-Dosis-Schema (Tag 0 + Tag 7–365). Ich biete Ihnen beide Optionen an, Sie können sich den Aufklärungsbogen zum WHO-Schema herunterladen.

Frühsommer Meningoenzephalitis
(FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kann bei schweren Verläufen zu einer Entzündung der Hirnhaut und des Gehirns führen, allerdings verläuft die große Mehrzahl der Infektionen asymptomatisch. Die Krankheit wird durch ein Flavivirus verursacht, das von Zecken von tierischen Wirten auf den Menschen übertragen wird. Es gibt einen zentraleuropäischen, einen sibirischen und einen fernöstlichen Virustyp. Infektionen mit dem fernöstlichen Typ verlaufen oft schwerer mit einer höheren Zahl von neurologischen oder tödlichen Komplikationen. Die Impfung ist vor Reisen in Endemiegebiete der gemäßigten Zonen Europas und Asiens zu empfehlen, wenn Outdoor Aktivitäten geplant sind, bei denen eine Zeckenexposition wahrscheinlich ist.

Frühsommer Meningoenzephalitis
(FSME) Impfung

Es stehen 2 Totimpfstoffe zur Verfügung, die bzgl. des Grundimmunisierungsschemas und den Auffrischungsempfehlungen leicht variieren. Das komplette Impfschema sieht jeweils 3 Impfdosen in einem Zeitraum von 5-12 Monaten vor, ein Impfschutz setzt allerdings bereits ca. 2 Wochen nach der 2. Dosis (2 bis 4 Wochen nach der ersten) ein. In Ausnahmefällen kann ein Schnellschema angewendet werden.

Japanische Enzephalitis (JE)

Die JE ist eine Viruserkrankung, die durch Stechmücken (Culex species) von infizierten Tieren auf den Menschen übertragen wird. Weniger als 1% der Infizierten entwickelt eine Erkrankung, die nach einer Inkubationszeit von 7-14 Tagen mit uncharakteristischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen beginnt und im weiteren Verlauf schwere neurologische Symptome durch eine Hirnentzündung (Encephalitis) hervorrufen kann. Die Sterblichkeit liegt bei ca. 30%, bei einem weiteren Drittel der Erkrankten bleiben teils schwere neurologische Ausfälle zurück.

Das Virus zirkuliert mithilfe von Mücken zwischen Wat- und Zugvögeln und Schweinen in Südost-Asien, weiten Teilen von Indien, Korea, Japan, China, West-Pazifik und Nordaustralien. 
Da die Nähe von Reisfeldern (als ideale Brutplätze der Überträgermücke) und Schweinen (in Zuchtbetrieben als Virusreservoir) ideale Voraussetzungen für die Weiterverbreitung des Virus bieten, hat die rasch voranschreitende Urbanisierung und die damit wachsende Zahl der Schweinezuchtbetriebe dazu beigetragen, daß die Erkrankung nicht mehr nur vornehmlich in ländlichen Gebieten auftritt, sondern in den letzten Jahren vermehrt auch in stadtnahen und städtischen Gebieten.

Neben einem sorgfältig durchgeführten Mückenschutz ist eine Impfung zu empfehlen, insbesondere bei Langzeitaufenthalten und geplanten Aufenthalten oder Ausflügen in ländliche Regionen mit Aktivitäten im Freien (Camping, Trekking, Angeln, Arbeit in landwirtschaftlichen Betrieben, Katastrophenhelfer, etc) mit einer Gesamtdauer von mehr als 4 Wochen (oder weniger, in Gebieten mit aktuell hoher Übertragungsrate).

Japanische Enzephalitis (JE)
Impfung

Zur Verfügung steht ein Totimpfstoff aus inaktiviertem JE Virus. Das Impfschema sieht eine Dosis am Tag 0 und 28 vor, ein Schnellimpfschema (Tag 0 und 7) ist nur für Erwachsene im Alter von 18–65 Jahren zugelassen. Der Impfschutz gilt eine Woche nach der 2. Impfdosis als sehr effektiv. Bei erneuter Exposition innerhalb von 12–24 Monaten sollte eine Auffrischung erfolgen, nach der eine Immunität von ca. 10 Jahren angenommen wird.

MALARIA

Malaria ist eine Erkrankung, die durch Parasiten der Spezies Plasmodium hervorgerufen wird. Nach heutiger Kenntnis können nur die Spezies Plasmodium falciparum, P. vivax, P. ovale, P. malariae und P. knowlesi (letztere nur selten und ausschließlich in Südost Asien) eine Malaria beim Menschen auslösen, die je nach Erreger unterschiedliche Krankheitsverläufe nehmen kann.

Allen gemeinsam ist die Übertragung durch den Stich der infektiösen weiblichen Anopheles Mücke. Andere Übertragungswege sind sehr selten (Bluttransfusion, Organtransplantation, Spritzentausch oder diaplazentar von der Mutter auf den Fetus). Die weltweite Malaria Inzidenz ist im letzten Jahrzehnt gesunken, allerdings gab es 2018 noch rund 228 Mio. Malariaerkrankungen weltweit (93 % davon in Afrika) mit ca. 405 000 Todesfällen, von denen 2 Drittel Kinder < 5 Jahren betrafen (Daten der WHO).

Das Krankheitsbild ist sehr unspezifisch, neben Fieber sind grippeartige Symptome wie Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen charakteristisch - aber nicht zwingend vorhanden. Die Symptome können wiederkehrend auftreten.
In schweren Fällen der Falciparum Malaria kann es zu epileptischen Anfällen, Verwirrtheit, Nieren- und Lungenversagen, Koma und raschem Tod kommen.

Malariaprophylaxe

Mückenschutz (Expositionsprophylaxe)
Konsequenter Mückenschutz ist die wichtigste Basismaßnahme zum Schutz vor Malaria und anderer durch Mücken übertragbare Erkrankungen (z.B. Dengue, Chikungunya, Zika, etc.)
Hierzu zählt das Tragen von hautbedeckender, heller Kleidung, die ggf. mit Permethrin eingesprüht werden kann. Im Schlaf können Moskitonetze (idealerweise mit Permethrin imprägniert) vor Stichen schützen, wenn mückensichere Schlafräume nicht zur Verfügung stehen.
Unbedeckte Haut sollte mit Repellents auf chemischer oder pflanzlicher Basis eingerieben werden. 

Medikamentöse Vorbeugung (Chemoprophylaxe)
Es stehen verschiedene Medikamente zur vorbeugenden Einnahme zur Verfügung. Eine konkrete Empfehlung hinsichtlich der Art der Malariaprophylaxe kann nur in Kenntnis der genauen Reiseregion, der Zeit und Dauer der Reise und den geplanten Aktivitäten ausgesprochen werden. Hierbei finden die verfügbaren epidemiologischen Daten der Zielregion, aber auch individuelle gesundheitliche Erwägungen und Gegenanzeigen   Berücksichtigung.

Notfallmässige Selbstbehandlung (Stand-by)
Bei jedem unklaren Fieber ab dem siebten Tag (Inkubationszeit) nach erstmaligem Betreten eines Malariagebiets sollte eine Malaria in Betracht gezogen werden und primär und ohne Verzögerung ärztliche Hilfe aufgesucht werden.  Eine ärztlich angeleitete Therapie nach Diagnosestellung ist, wenn möglich, einer Selbstbehandlung immer vorzuziehen.
Ist keine medizinische Hilfe binnen 48 Stunden erreichbar, so kann eine vorher besprochene Notfallselbsttherapie durchgeführt werden, falls das Fieber oder Fieberepisoden länger als 24 Stunden anhalten. 

Nach oben scrollen